Aufruf zum Zusammenschluss Hamburger Flüchtlingsinitiativen

Hamburg wächst und verändert sich. Vor allem im letzten Jahr sind Tausende Geflüchtete in unserer Stadt angekommen und werden bleiben.

Wir, die vielen HelferInnen in den Hamburger Stadtteil- und Flüchtlingsinitiativen, stellen uns dieser Aufgabe. Wir sehen sie als Chance. Und engagieren uns, um das Willkommen, die Begleitung und Förderung der Geflüchteten und damit unser aller Zusammenleben zu gestalten. Integration ist kein Schlagwort, sie ist vielmehr eine komplexe Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Integration muss auf Augenhöhe erfolgen.

Mit der heutigen Vereinigung Hamburger Flüchtlingsinitiativen bündeln wir unsere Erfahrungen und Kenntnisse und schaffen eine Plattform für den gegenseitigen Austausch und die Vertretung unserer Interessen.

Wir reden und planen mit, wenn es um die Lebenssituation der Asylsuchenden und unsere gemeinsame urbane Zukunft geht. Im konstruktiv-kritischen Dialog mit Senat, Behörden und Einrichtungsbetreibern bringen wir unsere Expertise ein, um die Geflüchteten angemessen zu versorgen und ihnen in unserer Stadt eine sichere Perspektive zu ermöglichen. Wir erwarten, als Interessenvertretung zusammen mit den Selbstorganisationen der Geflüchteten von den Behörden und Betreibern als gleichberechtigte Akteure anerkannt zu werden.

Wir werfen unsere Stärke, das enorm gewachsene Gewicht der Flüchtlingsinitiativen, in die Waagschale und rücken die Sicht der Geflüchteten in den Mittelpunkt. Wir kritisieren unzumutbare Verhältnissen (z.B. bei der Unterbringung) und eine verschärfte Abschiebepraxis. Die Klassifizierung angeblich „sicherer Herkunftsländer“, in denen viele Menschen rechtlos sind und verfolgt werden, lehnen wir ab. Wir schließen uns in dieser Hinsicht den kritischen Analysen von ProAsyl und Amnesty International an.

Wir begreifen Migration, Flucht und Asyl als Menschenrecht. Bei uns angekommen, müssen sich die Menschen auf ein verbindliches Rechtssystem verlassen können. Asyl ist ein Grundrecht. Grundrechte von Menschen sind kein Gegenstand von Volksentscheiden. Die Würde ALLER Menschen ist unantastbar.

– Wir setzen uns ein für eine umfassende Willkommens- und Ankommenskultur.

– Wir fordern die kurzfristige Entwicklung von Standards für den Betrieb der Flüchtlingsunterkünfte. Zelte und Baumärkte sind als Unterbringung menschenunwürdig.

– Wir erwarten vernünftige Bleibe-, Wohn-, Bildungs- und Arbeitsperspektiven mit entsprechenden flankierenden Programmen.

– Wir befürworten die massive Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus zur Sicherung des sozialen Friedens.

– Zentral für jede Form des zukünftigen Zusammenlebens ist die gleichberechtigte Beteiligung und aktive Einbeziehung der Geflüchteten und ihrer Zusammenschlüsse von Anfang an.

– Wir setzen mit unserem Engagement ein deutliches Zeichen gegen Rasssismus und Fremdenfeindlichkeit.

Wir rufen die Hamburger Stadtteil- und Flüchtlingsinitiativen auf, sich unserer Bewegung anzuschließen und unsere gemeinsame Stimme in Hamburg unüberhörbar zu machen.